Frage: Warum treibt mein 8 Jahre alter Apfelbaum (Viertelstamm) trotz jährlichen Schnitts so stark und fruchtet fast gar nicht?

Antwort: Er treibt vermutlich nicht TROTZ sondern WEGEN des regelmäßigen Schnitts so sehr. Fruchtholz bildet sich nur in wachstumsberuhigten Bereichen. Schneiden Sie Ihren Baum ein Jahr gar nicht und warten Sie die Reaktion ab. Fruchtet er noch immer nicht, können zu steil stehende Leitäste auch eine Ursache sein. 



Frage: Warum treibt mein Apfelbaum immer wieder durch, obwohl ich die Leitäste heruntergebunden habe?

Antwort: Beim Formieren durch Herunterbinden ist der Winkel wichtig. Sollten die Leitäste nahezu waagerecht gebunden sein, führt das zu einer Verlagerung des Neutriebs auf die gesamte Oberseite des Astes. Gerade junge Bäume setzen dann kein Fruchtholz an, weil sie hauptsächlich im Wachstum stehen. Ein Winkel von ca. 45 Grad ist zur Formierung günstig, da er Zuwachs und Fruchtholzbildung fördert. Beides ist zur gesunden Entwicklung nötig. 



Frage: Mein ca. 35 Jahre alter Birnbaum wurde vor 2 Jahren stark zurückgeschnitten, vor allem in der Höhe. Daraufhin hat er sehr viele lange senkrechte Triebe gebildet. Wie soll ich diese behandeln?

Antwort: Die vielen Neutriebe dienen dem Baum als Ersatz für den Verlust, den er erlitten hat. Indem Sie die Triebe stehen lassen, ist für den Baum formal das Gleichgewicht zwischen Wurzel und Krone hergestellt. Allerdings sind all diese Äste spitzentriebig, das heißt, sie wachsen alle gleichermaßen in die Höhe und behindern sich dabei. Sie sollten die Neutriebe auslichten, jedoch mindestens die Hälfte von ihnen stehen lassen. Im Folgejahr werden durch Fruchtbehang einige Triebe abgesenkt, die Sie mittels Fruchtholzschnitt in neue Leittriebe umwandeln können. Am Ende sollten nur 2-3 Langtriebe als Kronenäste behandelt werden.



Frage: Warum wächst mein 6 Jahre alter Apfelbaum (Halbstamm) nicht?

Antwort: Wenn Sie bereits Äpfel geerntet haben, ist die Antwort naheliegend: Ihr Baum ist vergreist. Durch Fruchtbehang abgesenkte Äste konnten sich nicht genügend ausbilden. Ringelspieße und Fruchtkurztriebe an jungen Bäumen sind ein sicheres Zeichen für frühes Altern. Entfernen Sie alle kurzen Triebe, formieren Sie eine Stammverlängerung und leiten Sie die Leitäste durch Rückschnitt um ein Drittel auf ein Auge an der Oberseite auf. Achten Sie dabei auf die Saftwaage! Fehlendes Wachstum kann jedoch auch auf schlechte Bodenbedingungen zurückzuführen sein. Evtl. besteht Staunässe.



Frage: Unsere Hochstammkirsche (ca. 45 Jahre) hat im Sturm einen großen Hauptast verloren. Sie hat auf der anderen Stammseite noch zwei weitere starke Äste und eine Krone. Ist der Baum jetzt noch stabil?

Antwort: Natürlich ist solch ein Verlust eine Stabilitätsfrage, was allerdings immer vor Ort geklärt werden muss. Oft kann der Baum die Instabilität ausgleichen, indem er z.B. die Krone neigt oder im Wurzelbereich Veränderungen vornimmt. Ein neuer Ast wird nicht nachgetrieben. Sollte Gefahr im Verzug sein, kann das Einkürzen der verbliebenen Leitäste sowie eine Kronenrücksetzung nützen, was allerdings nur vom Fachmann ausgeführt werden darf.



Frage: Ich habe vor drei Jahren einen Pfirsichbaum aus einem Kern gezogen. Der Baum wächst schnell und ist bereits 2 m hoch. Wird er Früchte tragen und wie hoch wird er?

Antwort: Sie haben einen Wildling, also unveredelten Baum. Wildlinge tragen zweierlei Erbgut in sich, das der Blüte und das des Bestäubungssamens. Damit kann man nie genau im Voraus sagen, wie sich der Baum entwickelt und welche Fruchtqualitäten er hat. Pfirsichwildlinge tragen oft sehr viele Früchte und können auch sehr gute geschmackliche Eigenschaften ausbilden. Man kann etwa im 4.-5. Jahr mit einer ersten Kostprobe rechnen. Wildlinge sind sehr wuchsfreudig.



Frage: Wir haben einen Garten mit alten Obstgehölzen übernommen, die stark verwildert sind. Wann ist der beste Schnittzeitpunkt?

Antwort: Außer direkt zur Blütezeit kann man Kernobst das ganze Jahr hindurch schneiden, Steinobst am besten nach der Ernte. Ein früher Schnitt im Winter fördert die Neutriebbildung, was gerne zur Verjüngung veralteter Obstbäume angewandt wird. Ein später Schnitt gegen Winterende führt zu geringerem Wachstum und zum Fruchtansatz. Der Sommerschnitt nach dem Johannistag (24.06.) ist generell für Erziehungsschnitte und Auslichtungsschnitte bei starktriebigen Bäumen zu empfehlen. Auch Wasserschosse sollten dann herausgedreht werden, da sie noch nicht verholzt sind.



Frage: Meine Großeltern haben einen herrlichen Apfelhochstamm im Garten, der jedes Jahr überreich trägt. Nur faulen viele Früchte und sind auch ziemlich klein. Kann man das ändern oder ist es zu spät?

Antwort: Es ist nie zu spät, einen Baum zu schneiden, wenn er gesund ist. An Ihrem Apfelbaum befindet sich fast ausschließlich altes, kurzes Fruchtholz. Unzählige Blüten an diesen Ringelspießen werden befruchtet. Eine optimale Nährstoffversorgung all dieser Äpfel ist nicht möglich, deshalb bleiben die Früchte klein. Das ist auch der Grund für frühen Krankheitsbefall, wie z.B. die Fruchtfäule (Monilia). Wird der Fruchtholzanteil reduziert, verbessern sich Größe, Geschmack und Widerstandsfähigkeit der Äpfel. Sie sollten außerdem einen Neutrieb anregen und über 3 Jahre das restliche alte Fruchtholz entfernen.